Mieter als Mini-Prosumer: Neue Potenziale für Energieversorger

Der Markt für Energiedienstleistungen richtet sich bislang vor allem an Hauseigentümer. Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen oder Wallboxen setzen schließlich häufig Eigentum und entsprechende Investitionsmöglichkeiten voraus. Doch mit Balkonkraftwerken, Smart Metern, Home Energy Management Systemen (HEMS) und dynamischen Stromtarifen entstehen zunehmend auch Angebote, die für Mieter interessant sind.

Damit entwickelt sich eine neue Zielgruppe für Energieversorger: Mieter als Mini-Prosumer. In der September-Ausgabe von Energiemarkt Aktuell haben wir uns deshalb genauer angesehen, wie Mieter heute bereits mit Energielösungen ausgestattet sind, welche weiteren Anschaffungen sie planen und welche Rolle Energieversorger dabei spielen.

Noch geringe Ausstattung – aber Potenzial für neue Energielösungen

Die Daten aus dem EDL-Kompass 2026, für den unter anderem 954 Mieter befragt wurden, zeigen zunächst ein noch überschaubares Ausstattungsniveau. Bei vielen Energielösungen ist die Ausstattung unter Mietern bislang noch vergleichsweise gering. Gleichzeitig bestehen deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Technologien und Angeboten.

Auch bei Lösungen rund um die intelligente Steuerung des Energieverbrauchs zeigt sich noch Entwicklungspotenzial. Während einige Angebote bereits einer größeren Zahl von Mietern bekannt sind, besteht insbesondere bei HEMS noch Informationsbedarf. Gleichzeitig stoßen Anwendungen, die einen konkreten Nutzen im Alltag versprechen – etwa die Optimierung des Energieverbrauchs oder eine bessere Transparenz über die eigenen Stromkosten – durchaus auf Interesse.

Für Anbieter bedeutet das: Nicht allein die technische Lösung dürfte über die Attraktivität entscheiden. Entscheidend ist vielmehr, welchen konkreten Nutzen sie für den Alltag des Kunden bietet und wie verständlich dieser kommuniziert wird.

Energieversorger sind im Entscheidungsprozess präsent – beim Kauf aber deutlich weniger

Besonders interessant wird der Blick auf die Customer Journey beim Balkonkraftwerk. Der aktuelle Strom- oder Gasanbieter gehört sowohl bei der Informationssuche als auch bei der Einholung von Angeboten zu den relevanten Anlaufstellen der Mieter.

Beim tatsächlichen Kauf verändert sich das Bild jedoch deutlich. Knapp die Hälfte der Käufer entscheidet sich direkt für einen Hersteller oder für den stationären beziehungsweise Online-Handel. Energieversorger erreichen insgesamt einen Marktanteil von 16 Prozent.

Die Analyse zeigt damit eine interessante Lücke: Energieversorger erreichen potenzielle Kunden bereits während des Entscheidungsprozesses, können diesen Kontakt aber noch nicht im gleichen Maße in tatsächliche Abschlüsse übersetzen.

Gleichzeitig ist der Markt noch keineswegs ausgeschöpft. Ein Teil der Mieter beschäftigt sich mit der zukünftigen Anschaffung eines Balkonkraftwerks. Damit entstehen Ansatzpunkte, um diese Zielgruppe frühzeitig anzusprechen und über das einzelne Produkt hinaus für weitere Energielösungen zu gewinnen.

Vom Balkonkraftwerk zum modularen EDL-Angebot

Für Energieversorger kann das Balkonkraftwerk damit ein vergleichsweise niedrigschwelliger Einstieg in eine längerfristige EDL-Kundenbeziehung sein. Entscheidend ist, Angebote möglichst einfach und auf die spezifischen Anforderungen von Mietern zugeschnitten zu gestalten.

Auch über die Zielgruppe der Mieter hinaus kann das Balkonkraftwerk als Einstiegsprodukt interessant sein. Gerade bei Einfamilienhäusern bietet es einen niedrigschwelligen Zugang zu Energiedienstleistungen und kann einen ersten Kontaktpunkt für spätere, größere Investitionen in beispielsweise Photovoltaik, Speicher oder weitere Energielösungen schaffen.

Perspektivisch lässt sich dieser Einstieg um weitere Bausteine erweitern – beispielsweise Verbrauchs-Apps, Smart Meter, HEMS oder dynamische Tarife. Auch Kooperationen mit Wohnungsunternehmen können dabei eine interessante Rolle spielen. Welche Produkt- und Vertriebsansätze sich daraus konkret ableiten lassen, betrachten wir ausführlicher im aktuellen Energiemarkt Aktuell.

Was den Energiemarkt im September außerdem beschäftigt

Neben den Potenzialen von Mietern als Mini-Prosumer betrachten wir in der September-Ausgabe des Energiemarkt Aktuell zwei weitere Entwicklungen:

Finanzierung wird zum Wettbewerbsfaktor im Wärmepumpenmarkt: Hohe Investitionskosten sorgen dafür, dass neben Kauf und Miete insbesondere Finanzierungsmodelle an Bedeutung gewinnen. Der Wettbewerb verschiebt sich damit zunehmend vom einzelnen Produkt hin zu integrierten Angeboten aus Hardware, Finanzierung, Installation und Service. Für Energieversorger stellt sich dabei insbesondere die Frage, ob sie Installations- und Servicekapazitäten selbst integrieren oder über Partnerschaften mit dem regionalen Handwerk abdecken.

Energielösungen werden zum Content: E.ON, lekker Energie, EWE und Vattenfall setzen auf unterschiedliche serielle Videoformate, um erklärungsbedürftige Energielösungen zu vermitteln. Entertainment, wiederkehrende Hosts und Kurzvideoformate ergänzen dabei zunehmend den klassischen Unternehmens-Erklärfilm und schaffen neue Kontaktpunkte zu potenziellen Kunden.

Diese und weitere Entwicklungen analysieren wir regelmäßig im Energiemarkt Aktuell und ordnen ein, welche Auswirkungen sie auf Wettbewerb, Marketing und Vertrieb im Energiemarkt haben.

Weitere Hintergrundinformationen zum Energiemarkt Aktuell finden Sie hier.

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Noch mehr Einblicke im EDL-Kompass 2026

Wie groß die Potenziale verschiedener Energiedienstleistungen tatsächlich sind und wie sich die Customer Journey vom ersten Interesse bis zur Anbieterwahl gestaltet, untersuchen wir ausführlich im EDL-Kompass 2026.

Die Studie basiert auf Befragungen von 4.341 Hauseigentümern, 327 Wohnungseigentümern und 954 Mietern und betrachtet auf mehr als 250 Seiten unter anderem Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Wallboxen, Klimaanlagen, Energieberatung, Balkonkraftwerke, Smart Home, HEMS, dynamische Stromtarife und Fernwärme. Neben der Marktentwicklung wird dabei insbesondere der gesamte Entscheidungsprozess bei der Anschaffung von Energiewendeanlagen und zugehörigen Dienstleistungen analysiert.

Damit liefert die Studie Energieversorgern und weiteren Marktteilnehmern eine Datengrundlage für Produktentwicklung, Vertrieb und strategische Positionierung im EDL-Markt.

Hier erhalten Sie weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten zum EDL-Kompass 2026.

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