Wenn Energieanbieter aussteigen

| Klaus Kreutzer Energievertrieb
Mit grüüün, stromee und SENEC ziehen sich aktuell gleich drei Anbieter aus dem Strom- und Gasvertrieb zurück. Die Hintergründe unterscheiden sich – dennoch werfen die Fälle die Frage auf, ob angesichts hoher Beschaffungspreise und langfristiger Preisgarantien weitere Rückzüge folgen könnten.

Was die aktuellen Fälle zeigen – und ob weitere folgen könnten

Mit grüüün, stromee und SENEC ziehen sich aktuell gleich drei Versorger aus dem Strom- und Gasvertrieb zurück. Auch wenn die Fälle nicht direkt vergleichbar sind und noch keine neue Insolvenzwelle begründen, lohnt es sich doch, etwas genauer hinzuschauen, um ggf. auf weitere Geschäftsaufgaben vorbereitet zu sein.

Drei Fälle, unterschiedliche Hintergründe

Grüüün kündigt auf der eigenen Webseite an, die bundesweite Belieferung von Privatkunden zum 31. Oktober 2026 zu beenden. Das Unternehmen begründet den Schritt vor allem mit politischen und regulatorischen Veränderungen. Genannt werden insbesondere das geplante EEG 2027 und das angekündigte Netzpaket. Diese Begründung beschreibt die Sicht des Unternehmens; ob sie die wirtschaftliche Situation vollständig erklärt, lässt sich von außen nicht abschließend bewerten. Nachdem von dem Unternehmen zuletzt keine Beendigungsanzeige bei der Bundesnetzagentur vorlag, stellt sich die Frage, ob der Ausstieg rechtzeitig angekündigt wurde. Zudem haben viele Kunden Verträge mit teils langfristigen Preisgarantien, was auch Fragen bzgl. der Rechtmäßigkeit des Ausstiegs aufwirft.

stromee, die Ökoenergiemarke der homee GmbH, scheint sich ebenfalls aus dem Privatkundengeschäft zurückzuziehen. Die Belieferung mit Strom und Gas soll voraussichtlich bis Ende Oktober laufen. Wie aus Social Media-Beiträgen hervorgeht, haben die Kunden ein Angebot der SWK-Energie erhalten, die ab 01.11. die Versorgung übernimmt.

SENEC hat ausdrücklich angekündigt, das Geschäft mit Stromtarifen einzustellen und sich künftig auf die Betreuung bestehender Kunden und Produkte zu konzentrieren. Das Unternehmen bleibt als Teil des EnBW-Konzerns bestehen. Die Beendigungsliste der Bundesnetzagentur führt die Beendigung der Stromlieferantentätigkeit zum 30. November 2026.

Damit zeigen die drei Fälle unterschiedliche Muster: einen regulatorisch begründeten Rückzug, eine noch nicht vollständig öffentlich geklärte Geschäftsaufgabe und eine strategische Beendigung des Tarifgeschäfts. Insolvent scheint keines der Unternehmen zu sein.

Was könnte hinter den Rückzügen stehen?

Neben den von den Unternehmen genannten Gründen für den Ausstieg spielt vermutlich auch die Preisentwicklung an den Energiemärkten eine Rolle. Je mehr Strom am Spotmarkt bezogen werden muss, desto schneller schlägt das aktuell hohe Preisniveau auf die Liquidität durch. Dauert so eine Hochpreisphase zu lange, kann es eng werden, vor allem wenn die Kunden Preisgarantien haben. Wer die Insolvenz vermeiden will, muss im Zweifel schnell handeln. Ob dies dann immer im Rahmen der Ankündigungsfristen der BNetzA funktioniert, ist eine andere Sache.

Stehen weitere Versorger vor dem Aus?

Aus den drei aktuellen Fällen, die sehr unterschiedlich zu sein scheinen, lässt sich noch nicht auf eine neue Konsolidierungswelle schließen. Angesichts der oben beschriebenen Entwicklung der Beschaffungspreise könnte es aber durchaus sein, dass auch andere Lieferanten in Not geraten und kurzfristig aufgeben müssen. Was passiert, werden wir im Verlauf der nächsten ein bis zwei Monate feststellen.

Wenn Lieferanten ihre Geschäftstätigkeit aufgeben müssen oder sich in einer wirtschaftlich angespannten Situation befinden, unterstützen wir gerne bei der Suche nach einem Versorger, der das Kundenportfolio übernehmen kann. Abhängig von der Ausgangssituation kann das auch kurzfristig gelingen. Sprechen Sie uns bei Bedarf gerne an!